Berlin 2007
aus Messingdolle
PÖHLN! Aber eigentlich doch irgendwie Berlin
Jaja und auch auf dieser Wanderfahrt ergaben sich so manche Satz- und Wortkonstruktionen über deren Verständnisgehalt nicht viel diskutiert werden muss. Es gab schlichtweg keinen. Aber irgendwie gehören solche und andere Kuriositäten einfach zu so einer Wanderfahrt dazu. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass man sich als Gruppe über mehrere Tage verteilt stundenlang über die Anfahrgeräusche der ICEs austauscht und die Berliner 3-Ton-Melodie zum Schließen der Türen der S-Bahnen als Auftrag zum Vorrollen im Boot erfasst, um mit dem Nachahmen des Schließgeräusches der Türen gleichermaßen den Startbefehl zu geben?! Eben, genau deshalb!
Die vier W-Fragen
Was? - Kinder- und Jugendwanderfahrt
Wo? - Berlin
Wann? - 26.7. - 3.8.2007
Wie? - ruden und so
wurden während der Wanderfahrt durch unseren jüngsten Teilnehmer auf "Wieso?" "Wie bitte?" "Wie weit noch?" und "Hää?" ausgeweitet.
Tag 1: Anreise und Kekse auf dem Männerklo
Na, da sind wir aber sehr gut durchgekommen! So der allgemeine Tenor nach überstandener Hinfahrt ohne Probleme und sensationellerweise ohne Staus. Eine Stunde eher als geplant bezogen wir unser Quartier in Berlin-Konradshöhe beim RC Tegelort, das nun also für die folgenden 8 Tage unser Zuhause darstellte. Nachdem uns Frank, der eigentlich am Abend zu uns stoßen wollte, bereits am späten Mittag via Handy fragte, wo wir denn blieben, war uns klar, dass wir am heutigen Nachmittag schon für alle drei mitgenommenen Boote Verwendung finden würden. Mit Hera, Peter und einer unterbesetzten Weser begannen wir nach dem obligatorischen Ausräumen und Aufriggern eine erste Schnuppertour auf der Havel, die von den meisten ausgiebig zum Baden genutzt wurde. Noch bevor es zu diesem ersten Mini-Ausflug kam, ergab sich auf dem Herren-Territorium der 1.Etage eine diskutable Situation: Niklas lief umher, um uns seine mitgebrachten Kekse anzubieten. Und da er Matthias im besagten Bereich antraf, bot er ihm dort diese süße Zwischenmahlzeit an, die dieser auch dankend annahm. Unterdessen ertönte eine hörbar irritierte Stimme vom Flur "Ihr esst Kekse auf dem Männerklo?" worauf Niklas prompt die passende Gegenfrage auf Lager hatte: "Sollen wir dafür aufs Frauenklo gehen?" Am Abend richteten wir unsere Betten ein (wobei dank der zwei Schlafräume mit mehr als nötig vorhandenen Betten jedem sein eigenes Doppelbett als Schlafplatz und gleichzeitig Klamottenablage zur Verfügung stand) und mit Spaghetti Bolognese rundeten wir diesen Tag ab.
Tag 2: Tolle Magneten und immer diese Viecher
Mit Ausnahme des Stadttages begann ab heute jeden Morgen das Aufstehen um 7.00 Uhr mit Hilfe von Johannes' Handywecker. Frank und Matthias entstiegen ihren warmen Schlafsäcken zumeist etwa eine halbe Stunde eher und brachten die Frühstücksvorbereitungen in Gang. Die heutige Tour führte uns immer entlang der Havel gen Norden bis Höhe Birkenwerder und brachte im Verlaufe neben einer gerissenen Steuerleine der Weser jeder Menge "Viecher" mit sich. Mücken, Mücken und noch mehr Mücken. Ja, es war als Lange-Hosen-Träger schon fast eine Freude, den anderen beim andauernden Auf-die-Beine-klatschen und Kratzen zuzusehen. Kurz nach Antritt der Rückreise trafen wir auf Guido, der heute nicht am aktiven Rudergeschehen teilnahm, sondern einen Freund besuchte und mit diesem per Fahrrad nahe der Havel eine Fahrradtour unternahm. Spontan legten wir eine Kuchenpause ein. Später, wir waren inzwischen wieder am staubigen Stahlwerk vorbei gerudert, ließen wir die Skulls für ein paar Minuten an nebenan liegender Schrottverarbeitungsanlage los um zwei Kräne zu bestaunen, wie sie das Schrottgut aus Eisenbahnwaggons mit ihren Magneten herausholten, um es dann wenige Meter daneben auf einen Haufen zu werfen. Um dieses "spektakuläre" Ereignis reicher legten wir wenige Kilometer vor dem Bootshaus eine letzte Unterbrechung an der Vortags besuchten Badestelle ein. Hier nahmen einige von uns auch einen alten Wachturm aus DDR-Zeiten unter die Lupe, schließlich verlief an dieser Stelle damals die Grenze mitten durch die Havel. Schon verhältnismäßig früh beendeten wir unsere Rudertätigkeiten für diesen Tag und gingen zum obligatorischen Schwimmengehen, dem anschließenden Einkaufen und dem Zubereiten und anschließendem Verspeisen der abendlichen Hauptmahlzeit über. Während des Essens stieß dann auch Daniel zu uns, um für ein langes Wochenende an dieser Wanderfahrt teilzunehmen.
Tag 3: Querstehende Fahrgastschiffe und www.büro-am-wasser.de
Um es mal nüchtern darzustellen: Havel - Alter Spandauer Schifffahrtskanal - Hohenzollernkanal - Schleuse Plötzensee - Westhafen(-kanal) - Charlottenburger Verbindungskanal - Spree (bis Tiergarten) - Spree (bis Schleuse Charlottenburg) - Spree (bis Schleuse Spandau) - Spandauer See - Havel. So und nicht anders verlief unsere zum Ende hin nicht ganz freiwillige Rundtour an diesem Samstag. Begleitet von fortwährendem, wenn auch nicht heftigem, Regen konnten wir also unser Um-die-Ecke-Rudern perfektionieren. An sich wollten wir heute den Landwehrkanal unsicher rudern, allerdings machte uns da die Wasserschutzpolizei einen Strich durch die Rechnung, die nach Anfrage eine Freigabe für Ruderboote für Sonntag oder Montag in Aussicht stellte. Kurz entschlossen beruderten wir also zunächst die Spree Richtung Reichstag und gaben dies dann in Höhe Tiergarten auf. Das ein oder andere Ausflugsschiff gab schon vorher auf und wendetet unverhofft an nicht unbedingt den geeignetsten Stellen im Fluss. Da uns weder das Wetter noch das Ufer genügend Zeit und Raum gaben, einen würdigen Ort ausfindig zu machen, an dem wir unsere Mittagspause zelebrieren konnten, musste ein im wahrsten Sinne des Wortes teilweise beschissener Mini-Abenteuerspielplatz für die allgemeine Nahrungsaufnahme herhalten. Nicht zuletzt aber durch die Wanderung von Daniel und Frank zur nächstgelegenen Bäckerei gestaltete sich unsere Pause doch insgesamt sehr erträglich. Vorbei an -sagen wir mal- ruinenartigen Gebilden, die trotz ihres für die hartherzige Wirtschaftswelt nicht zumutbaren äußerlichen Erscheinungsbildes mit Internetwerbung zum Kauf angepriesen wurden und an Schornsteinen, die so breit und hoch waren, dass ein Ruderboot davor aussah wie eine Ameise vor einem Eisberg, führte uns die Tour zu Kilometer 0,0 der Spree, an dem die Fahrtenleitung nach kurzem Zögern entschied, die Fahrt zum heimischen Bootshaus fortzusetzen und nicht, wie zunächst geplant, die Boote am Ruderverein Spandauer Friesen über Nacht zu parken. Nach 36 km also wieder in Konradshöhe angekommen, deckte man sich noch mit dem Nötigsten aus dem Supermarkt für das Restwochenende ein und bereitete das Chili con Carne für den Abend zu.
Tag 4: Wannsee-Wind und gegen wen spielt ihr heute eigentlich?
Zwar nicht ganz so anstrengend wie befürchtet, aber dennoch mit ordentlich Gegenwind meisterten wir die heutige etwas kürzere Etappe über 21 km vom Bootshaus zum Berliner RV am Großen Wannsee. Durch die Spandauer Schleuse immer entlang der Havel und Pichelsee hatten wir von nun an mal wieder was an der Fahrtenleitung zu meckern. Konnte diese nicht den Wind für heute abbestellt haben? Aber gut, auch das stellte uns nicht ernsthaft vor größere Probleme und am Mittag landeten wir am Ziel. Nach der Mittagspause bildeten sich zwei Gruppen: Während Frank, Daniel, Gertrud, Bernhard und Alexander sich nochmals zu einer 18 km - Extratour über den Kleinen Wannsee und in den Teltowkanal aufmachten, traten Guido, Johannes, Niklas, Natascha und Matthias die Heimreise an. Dies allerdings auf Umwegen. Des Sightseeings wegen. Auf dem Weg zum Bahnhof Wannsee sprach uns plötzlich ein Herr an, um uns zu interviewen, gegen wen wir denn heute spielten. Nach kurzweiliger Irritation teilten wir ihm mit, dass wir zwar auch das Bayer-Kreuz in der Flagge haben, dennoch aber nicht allzu viel mit den Kollegen vom Stamme Fußball zu tun hätten. Den Regionalexpress verließen wir wieder am Bahnhof Zoo, um von dort mit der Buslinie 100 eine kleine Innenstadtrundfahrt zu unternehmen. Diese unterbrachen wir für einen Rundgang durch das Brandenburger Tor zurück zum Reichstag. Am Alexanderplatz angekommen, konnte Johannes auf dem Weg zur Weltzeituhr eine junge, obdachlose Punklady zwar nicht mit Geld aber mit einer von der Mittagspause übrig gebliebenen Banane erfreuen. Wir fuhren nun wieder zur Friedrichstraße, um von dort per U-Bahn nach Alt-Tegel und anschließendem Bustransfer wieder zum Bootshaus zu gelangen. Als sehr abendfüllend erwies sich dann die Zubereitung und Verköstigung der Pizzen.
Tag 5: Pirschheide und da warens nur noch 8
Hui, dat bläst aber ganz schön da draußen. Schon vor dem allgemeinen Aufstehen am Morgen bemerkten Daniel und Matthias, dass es mit der ursprünglichen Planung, nach Potsdam weiter zu rudern, problematisch werden könnte. Als Alternative stand das Berudern des Teltowkanals im Raum. Auf ging's mit Bus und Hänger zum Wannsee. Die Boote waren nun zu Wasser gelassen und es folgte der Beschluss: Wir probieren Potsdam. Also durch den kleinen Wannsee, Pohlesee, Stölpchensee, Griebnitzsee, Glienicker Lake und Tiefer See nach Potsdam-City, wo wir am Ufer des Kanals "Alter Fahrt" auf einer großen grünen Wiese rasteten. Anschließend verlief die Tour wieder auf altbekannter Havel zum Templiner See mit der heutigen Endstation Pirschheide. Daniel, Frank und Niklas holten Bus und Hänger, der Rest ruderte noch ein kleines Stück raus um dann kurzentschlossen doch die freie Zeit zum Schwimmen (inklusive erfolgreichem Fahnenklau durch Gertrud) und Segeln (starker Wind) zu nutzen. Die Boote dann abgeriggert und auf den Hänger geladen, tuckerten wir ein paar Hundert Meter weiter zum Bahnhof Pirschheide, dem ziemlich verkommenen, zu DDR-Zeiten titulierten Hauptbahnhof Potsdam. Inzwischen war aber der Durchgang durch das Hauptgebäude versperrt, sodass wir auf die nahegelegene Straßenbrücke ausweichen mussten, um einen Blick auf die alten Gleise zu bekommen. Hiernach hieß es Abschied nehmen. Daniel nahm an diesem Abend wieder den Flieger nach Hause und auch Frank fuhr wieder nach Salzgitter. Von nun an konnten wir also für den Rest der Wanderfahrt Peter auf dem Hänger belassen. Zu später Stunde war dann Lasagne-Essen angesagt.
Tag 6: Traditionsbesuch und eine Bombenstimmung
Rudertechnisch gesehen war heute sozusagen der Ruhetag. Der Stadttag stand auf dem Plan und so machten wir uns am frühen Vormittag auf nach Berlin-Mitte. Wir begannen mit einer Kurzwanderung von der Friedrichstraße zu Reichstag und Brandenburger Tor. Ich für meinen Teil machte mich unabhängig und besuchte meine Schwester und ihre Familie, während die anderen sich über Alexanderplatz und den Traditionsbesuch im Ost-Laden an der Samariterstraße in Richtung Grünau/Richtershorn fortbewegten. Am späten Nachmittag beschlossen wir, uns am Bahnhof Zoo wiederzutreffen. So weit, so einfach. Dummerweise hatte ich vor, auf diesem Rückweg zunächst mit dem Bus in Richtung Zehlendorf zu fahren, um von dort mit der S-Bahn zum Zoologischen Garten zu gelangen. Denn wie ich -erst als es zu spät war- feststellte, war ich nach kurzer Fahrt an der Grenze eines Bereichs gelandet, der wegen einer anstehenden Fliegerbombenentschärfung abgeriegelt war. Nun kam kein Bus mehr, weder in die eine noch in die andere Richtung. Also blieb mir nicht viel anderes übrig als ein ausgedehnter Spaziergang nach Dahlem-Dorf um von dort eine U-Bahn zu nehmen. Überraschenderweise befand ich mich dann noch vor den anderen in Zoo-Nähe und konnte das letzte Stück vom KaDeWe zum Bahnhof laufen. Bernhard, Gertrud und ich fuhren nun über Waidmannslust zum Bootshaus, alle anderen statteten dem KaDeWe noch einen Besuch ab und kamen wenig später nach. Der Abend wurde insbesondere zum Postkarten schreiben (und deren Zensierung durch den Fahrtenleiter) genutzt.
Tag 7: Das große Schleusenbummeln und endlich Landwehrkanal
Zum letzten Mal auf dieser Wanderfahrt legten wir mit unseren Booten vom heimischen Steg in Konradshöhe ab und erreichten in relativ zügigem Tempo die Schleuse Plötzensee, an der wir warteten und warteten und warteten. Die Boote waren rausgefahren, jetzt konnte es doch nur noch eine Frage von wenigen Miuten sein, bis die Ampel auf Grün sprang. Pustekuchen. Ab und zu sah man ein Männchen im Schleusengebiet umherlaufen, aber es tat sich vorerst nischt. Als wir schon kurz davor waren, einen Umweg zu nehmen, sprang das Licht auf Grün und es konnte weitergehen. Und tatsächlich: Am Landwehrkanal angekommen erblickten wir ein weißes Zusatzschild, das es Booten unter 5 PS erlaubte, weiterzufahren. Vorbei an den einsturzgefährdeten Bäumen, die inzwischen mit einer Konstruktion aus Holz und Beton-Platten und-Stäben befestigt waren, pausierten wir am Urban-Hafen. Das heutige Etappenziel lautete: Treptow, Baumschulenweg. Die Boote konnten wir hier über Nacht lassen und mit S-Bahn und Bus wieder Richtung Tegelort abdüsen. Guido, Gertrud und Alex taten dies über einem Umweg, der sie nochmals zum Ost-Laden führte. Lauchsuppe und Reis vom Vortag standen dann abends auf dem Speiseplan.
Tag 8: Staudammbauer und Umleitungen
Die heutige letzte Etappe dieser Wanderfahrt führte uns über 16 km vom Bootshaus in Treptow nach Richtershorn und verlief entlang von Spree und anschließend Dahme relativ unspektakulär. Da bot die Pause in Höhe Köpenick doch die ideale Gelegenheit, mal wieder was anderes zu machen. Und das bestand darin, am Ufer aus einer Sand-Schlamm-Mischung einen Mini-Stauwall zu errichten, der den Wellen der vorbeifahrenden Motorboote standhalten sollte. Im 5. oder 6. Versuch auch mit erkennbarem Erfolg. Auf den letzten Metern dieser Wanderfahrt gaben die Besatzungen beider Boote (etwas versetzt) nochmal richtig Gas, wobei der Steuermann des ersten Bootes (Johannes) auch noch von der mehrere hundert Meter dahinter fahrenden Hera deutlich zu vernehmen war. Guido holte dann Bus und Hänger aus Treptow und wir brauchten dann -verursacht durch einige ärgerliche baustellenbedingte Umleitungen- etwas länger, bis wir wieder am Bootshaus angekommen waren. Dort nahmen wir mit Kartoffeln und Frikas unsere letzte Hauptmahlzeit ein. Der Abend endete mit Skat-Spielen und der Gewissheit: Morgen geht's heim.
Tag 9: Abreise und die Gründung des 12 THC
Wie das eben so ist: Nach dem Frühstück wird gepackt und geputzt und am frühen Vormittag traten wir die Heimreise an. Und wieder ein mal Surprise, surprise: ohne Staus! Und das an einem Freitag. Ein kurzfristiger Tankstellenbesuch in Wuppertal-Ronsdorf bildete die einzige ungeplante Unterbrechung der Rückreise. Am Bootshaus angekommen wurden die Boote abgeladen und geputzt und danach mit Kiki und Sebastian, die wenige Tage bzw. Wochen vorher Geburtstag hatten, und vielen anderen gegrillt. Nun waren sie endlich da: Unsere eigenen Ruderklamotten. Und irgendwie waren die Fehldrucke doch viel kultiger als die "richtigen" Drucke. Sodass wir an diesem Abend sozusagen inoffiziell den 12 THC gegründet haben...
Und nun wie immer noch einige Stichpunkte für Insider:
- Denk an die Schweine, mach die Tür zu!
- Das war echt ein Hund auf dem Baum!
- U-Bahn steht für Unterwasser-Bahn
- Die Abkürzung für Polier- und Ziermeister ist Polizist (Pöhlizist)
- Wo issen der Fahrtenleiter-Schlamm?
Matthias
