Dalslandtour 2005

aus Messingdolle

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Inhaltsverzeichnis

Die Vorbereitungen

Der Dalslandkanal, ca. 160 km nord-östlich von Göteborg gelegen, ist eigentlich ein Aneinanderreihung von großen und kleinen Seen. Verbunden sind diese durch etwa 10 km gegrabenen Kanal und einigen Schleusen. Noch weiter östlich befindet sich der Snäcke-Kanal, der etwa bei Köpmannebro zusammen mit dem Dalslandkanal in den Vännern endet. Schon in den Jahren 1995 und 1996 waren wir mit jeweils 9 jugendlichen Ruderinnen und Ruderern und den Booten Ruderkamerad, Loreley und Martha nach Dalsland aufgebrochen. Meine Planung, sich auf den weiten, sauberen Seen mit Trinkwasserqualität einmal mehr mit Ruderbooten auszutoben scheiterte jedoch in den vergangenen Jahren immer wieder an den Teilnehmern. Besonders im heutigen Studentenleben scheint es viele Unwägbarkeiten zu geben, die eine halbwegs verlässliche Planung unmöglich machen. Dieses Jahr fanden sich dann aber doch genug Abenteuerlustige mit fester Zusage, so daß zumindestens das finanzielle Risiko für die Fährüberfahrt und die Hausmiete überschaubar war. Waren wir vor zehn Jahren bei durchweg sonnigem Wetter insgesamt drei Wochen lang unterwegs, wollte ich dieses mal eine zweiwöchige Tour planen. Die eine Hälfte im Zelt, die andere in einem festen Haus. Gepäck hatten wir damals in Booten dabei und haben es zum Wildcamping jeden Abend aus und morgens wieder eingeladen. Dabei machten uns das Anlanden der Boote und die Bootslagerung in der felsigen Landschaft jeden Tag aufs neue Probleme, so daß ich mich dazu entschloß feste „Basisstationen“ zu organisieren.

Start Richtung Skandinavien

Mit „Günter Kraus“ und „Mosel“ auf dem Anhänger fahren wir am 14. Juli 2005 abends nach Hamburg um nach einer Übernachtung bei den „Wikingern“ den Weg über die Vogelfluglinie Puttgarden – Rodby und Helsingör – Helsingborg Richtung Göteborg in Angriff zu nehmen. Samstag, den 16. Juli erreichen wir, nach einer Übernachtung in Göteborg, den Ort Töcksfors, am nördlichen Ende des Kanalsystams gelegen und nur noch 5 km von der norwegischen Grenze entfernt. Leider startet der Sonntag mit kräftigem Regen, so daß wir beschließen uns das 100 km entfernte Oslo anzusehen. Die Personalausweise schon griffbereit beim Fahrer verlassen wir die EU ohne jegliche Grenzkontrolle. Bei der anschließdenden Untersuchung der Personalausweise durch die Mitfahrer stellt sich heraus, daß Andreas Langenfeld keinen zweiten Vornamen hat und so wird ihm daraufhin kurzentschlossen der Zweitname „Oslo“ verpasst.

Rudern im Trinkwasser

Glücklicherweise scheint dann am Abend auch in Töcksfors die Sonne von einem wolkenlosen Himmel und wir machen zu später Stunde bis zum Sonnenuntergang noch einen zweistündigen Ausflug auf den „Foxen“.Die Wasserqualität ist hier so gut, daß man ohne bedenken aus den Seen trinken kann. Inzwischen sind auf dem Campingplatz auch noch Ruderer aus Osterholz-Scharmbeck und Wildeshausen eingetroffen die wir am nächsten Tag auf unserer Fahrt nach Östervallskog wiedertreffen. Die beiden malerischen Schleusen dorthin umfahren wir mit dem Anhänger, da wir für das Schleusen keine 50 EUR ausgeben wollen. In Östervallskog gibt es einen fast neuen Steg, an dem wir zur Mittagspause anlegen und auch baden gehen können. Andreas kann seinem Ruderdrang kaum Bremsen und sucht ständig die „Competition" mit dem Boot, in dem er gerade nicht sitzt. Auf der Rückfahrt durch die schmalen Kanalstücke zwischen den langgestreckten Seen verschlechtert sich das Wetter zusehends, dunkle Wolken künden von Regen. Kurz nachdem wir die Boote wieder auf den Anhänger verladen haben, geht ein kräftiger Regenguß nieder, der die Osterholzer direkt in der Schleuse erwischt.... sie kommen patschnass auf dem Campingplatz an. In den kommenden Tagen haben wir noch des öfteren das Glück, bei Regengüssen gerade im Zelt zu sitzen, oder eine andere Überdachung zur Verfügung zu haben. Die Fahrtenleitung hat das angeblich genauso bestellt – ich weiß jedenfalls nichts davon. Da wir die Boote jetzt wieder auf dem Anhänger haben, setzten wir sie direkt hinter der dreifach Schleuse in Lennertsfors ein und rudern von dort bei stärker werdendem Regen über den „Store Le“ zur Schleuse nach Gustavfors. Der Wind hat nun fast vollständig aufgehört, nur die Regentropfen plätschern leicht ins Wasser, der große, weite See wäre ansonsten spiegelglatt. Ungestört kann man hier Schlag umd Schlag, Kilometer um Kilometer machen, das Boot läuft wirklich sehr gut und man ärgert sich noch nicht einmal wirklich über das Wetter. An einem Steg, der diesen Namen eiegntlich nicht verdient, können wir die Boote herausnehmen und auf dem Schleusengelände lagern. Pünktlich zum Aufbau der Zelte, die wir nach dem Quartierwechsel noch nass abbauen mussten, hört es für eine halbe Stunde auf zu Regnen. Das Abendessen auf dem Campingplatz in Bengtsfors kochen wir in unserem großen Hauszelt, daß wir glücklicherweise nach langen Überlegungen doch mit auf die Fahrt genommen hatten. Heute Abend gibt es einen Reiseintopf nach Art von Mechthild... einfach lecker. Die nächsten Tage scheint die Sonne, nur unterbrochen von einigen Quellwolken und das Rudern auf dem Västrasilen macht so richtig viel Spaß. Das Schleusengelände in Gustavfors nutzen wir noch einmal für die Bootslagerung und zum Einkauf der leckeren Müslibrötchen bei der Schleusenwärterin.

Schulferien in der Schule

Am Freitag, den 22. Juli steht der Umzug in „unser“ Haus an. Von Deutschland aus ein passendes Quartier für 10 Personen zu finden ist schon recht schwierig. Wenn man dann nur für eine Woche und auch noch Freitags anreisen und Donnerstags wieder abfahren möchte, kann man dieses Vorhaben normalerweise vergessen. Nach einigen Absagen und über diverse Ecken bin ich dann an „Österbyns Gamla Skola“ in der nähe von Fengersfors gekommen. Dieser Ort liegt westlich von Bengtsfors, ca 20 km von Amal entfernt. Die alte kleine Schule liegt auf einem schönen Grundstück, auf dem auch das Haus der Vermieter, einer aus Deutschland ausgewanderten Familie mit drei Kindern, steht. Bei der Anreise sind wir noch ein wenig unsicher, was uns alles erwartet, aber unsere Erwartungen werden weit übertroffen. Das wirklich große Haus ist sehr geschmackvoll eingerichtet, mit großen Schlafräumen, einem gemütlichen Aufenthaltsbereich und eine voll eingerichteten Küche mit Herd, Backofen, riesigem Kühl-/ Gefrierschrank, Spüle und Kaffemaschine. Teller, Tassen, Besteck – alles ist da. Johanna entdeckt sogar eine Waschmaschine hinter einem Vorhang, die sich bei genauerer Inspektion als Kühltruhe herausstellt. Nachdem sich alle etwas „beschnuppert“ haben, fühlen wir uns sehr wohl in der Gesellschaft von Barbara und Michael mit Mira, Jona und Simon. Die zwei ganz zahmen Gänse, einige Hühner und Hähne, und das Kaninchen Hoppi (genannt auch „Herr Latz“) lassen alles um einen herum schnell vergessen. Jona hat Johannes auserkoren, allen Blödsinn mit ihm zu unternehmen, Mira hat Mechthild und Gertrud in ihr Herz geschlossen. Die Langenfelds sind eben auch hier etwas besonderes und es gibt genug Platz für alle, so daß jeder dazu kommt, mal richtig auszuspannen! Jeden Abend schöpfen wir das Potential der Küche voll aus und futtern uns bei kulinarischen Köstlichkeiten gut durch. Der Müsli und Frischmilchkonsum ist immens und die Fahrtenleitung fürchtet um ein baldiges ableben der Fahrtenkasse.

Ruderboote auf dem Snäcke Kanal

Die Tage vergehen bei einige langen Wanderungen und weiteren Bootstouren auf den Seen Ärr und Animen wie im Fluge. Auch hier sind die Seen zu einem Kanalsystem, dem Snäcke Kanal, verbunden und wir lassen es uns natürlich nicht nehmen, wenigstens eine Schleuse mal mit Booten zu durchfahren. Der Schleusenwärter an der Schleuse Strömmen, der übrigens unsere Herbergsfamilie gut kennt, ist begeistert von unseren Booten und dem Rudern an sich. Wir können ihn gut verstehen, nachdem wir gesehen haben, daß einige Kanus sowohl bei Ein- und Ausfahrt aus der Schleuse immer wieder gegen die Wand, bzw. ins Gebüsch fahren. Ruderboot sind hier wirklich Exoten unter Motor-, Segelbooten und Kanus. Dienstag Abend backen wir noch einen leckeren „Abschiedsapfelkuchen“ der am Mittwoch nach dem Rudern zu einer gemeinsamen Kaffeetafel auf der Sonnenterrasse beiträgt. Der Abschied nach 6 Tagen fällt uns allen nicht leicht und zur Abfahrt stehen Mira, Jona und Simon extra früh auf um uns zu verabschieden. Ein wenig wehmütig fahren wir die 170 km nach Göteborg und sind drei Stunden später schon wieder mitten in der städtischen Hektik angekommen.

Göteborg - eine gemütliche Großstadt

Obwohl Göteborg eine wenig hektische Großstadt ist, ist der Unterschied zu den Tagen vorher gewaltig. Auf den Straßen um Fengersfors konnte man stundenlang wandern, ohne einem Auto zu begenen, jetzt brausen sie links und rechts an einem vorbei. Am Campingplatz diskutieren wir, ob wir den letzten vollen Ferientag in Götboerg verbingen, oder schon Richtung Köln fahren wollen. Schließlich verbringen wir den Freitag, ausgerüstet mit der Göteborgcard, in der Stadt und sogar Andreas und Johannes scheinen gefallen an einigen Aktivitäten gefunden zu haben. Die Rückreise Richtung Süden gestaltet sich unproblematisch und wir fahren staunend an kilometerlangen Staus auf der Gegenrichtung vorbei, die durch die beginnenden Sommerferien in Bayern und Baden-Württemberg verursacht werden.Gegen 22 Uhr sind alle wieder zu Hause und freuen sich aufs Bett. Alle scheinen zufrieden zu sein und eine schöne Wanderfahrtmit vielen Erlebnissen und Eindrücken ist zu Ende.

Kuriositäten, ungeklärte Fragen sowie Daten der Fahrt

  • Das stundenlange hören von Paul Panzer Episoden scheint doch schädlich für das menschliche Gehirn zu sein – oder warum heißt Hoppi jetzt auf einmal Herr Latz ??
  • Warum erfährt man in Töcksfors auf dem Campingplatz, daß die Küche in Osterholz-Scharmbeck noch nicht renoviert wurde ? Was macht denn der Joachim Wilhelmi (1. Vorsitzender vom RV-Osch) das ganze Jahr über ??
  • Zweitnamen haben auch fast immer ein Bedeutung für den Besitzer, aber wer war eigentlich Oslo ??
  • Kühltruhen und Waschmaschinen sehen sich schon verteufelt ähnlich – das ältere Ehepaar stand auch ratlos vor den Mikrowellen im Saturn und fragte, wieviel Programme das Ding denn empfangen könne....
  • Wird Gänsen und Hühnern eigentlich nicht schlecht, wenn man sie auf den Kopf dreht ??
  • Wie weit muß man die Milchtüte vom Becher entfernt halten, wenn man bei Windstärke 8 auf dem Oberdeck der Fähre Milch in besagten Becher (und nicht auf den Boden) füllen will ?
  • Was passiert, wenn man Florian seine Frischmilch wegtrinken will ?

Um all dies abschließend zu klären werden wir in den kommenden Jahren noch einmal hinfahren müssen.

Daniel Budszus


Teilnehmer

  • Mechthild Langenfeld
  • Getrud Langenfeld
  • Johannes Langenfeld
  • Johanna Fröhlingsdorf
  • Florian Schröder
  • Frank Mackedanz
  • Stefan Radermacher
  • Daniel Budszus

Boote

  • „Günter Kraus“
  • „Mosel“

Technik

  • VW-Bus LEV-R 655
  • Anhänger GL-QQ 1111

Datum

  • 15. – 30. Juli 2005
  • Rudertage: 9, Bootskilometer: 189
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