Donau 1994

aus Messingdolle

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Donauwanderfahrt der Jugend von Ingolstadt nach Passau vom 10.-18. Juli 1994

Schon bei der Berlinwanderfahrt zu Ostern hatte es sich als lohnenswert herausgestellt, gegen sieben Uhr morgens am Bootshaus aufzubrechen, um nicht sämtliche verfügbaren Staus auf den bundesdeutschen Autobahnen mitzunehmen. Mit kurzer Pinkelpause und Tankstopp in Würzburg erreichen wir gegen 14 Uhr 30 Ingolstadt.


Ruderclub im Wald?

Ein großes Schild über einer Toreinfahrt weist uns den Weg zum DRCI (Donauruderclub Ingolstadt). Durch zahlreiche Wanderfahrten vorsichtig geworden, stelle ich den Bus außerhalb des Geländes ab und wir erkunden zu Fuß das Gelände. Es stellt sich heraus, daß sich außer dem großen Schild nichts auf dem Grundstück befindet, was auch nur im Geringsten ans Rudern erinnert. Inga fragt einen der Tennisspieler, die ihre "Spielplätze" auf dem Grundstück haben, nach dem Weg zum Ruderverein. Dieser weist auf einen Waldweg durchs Gebüsch. Wie kommen die Ruderer aber mit Booten zu ihrem Bootshaus? Doch auch in Ingolstadt gibt es Leute, die sich in ihrer Stadt auskennen: Nach einem glaubwürdigen Hinweis fahren wir über einige kleine Straßen zu einem der vielen Stauseen an der Donau und entdecken das Bootshaus. Es befindet sich hinter dem den Stausee umrandenden Damm. Die Bootshallen sind auf Wasserebene gebaut und im Untergeschoß finden wir die Duschräume, die Umkleiden und einen für Übernachtungen eingerichteten Schlafraum. Dort blasen wir auch unsere Luftmatratzen für die Übernachtung auf. Frank, Andreas und ich bringen nach dem Gepäckausladen das Gespann nach Ingolstadt zum Bahnhof. Auf dem Rückweg stellen wir fest, daß die Donau auf diesem Stück noch kräftig strömt.

Auch die Schleuse funktioniert. Der etwa einstündige Spaziergang bei warmem Sonnenschein und blauem Himmel führt uns auch an dem Kraftwerk und der Bootsschleuse Ingolstadt vorbei, die, entgegen unseren Befürchtungen, voll funktionstüchtig ist. Das Abendessen besteht aus Brot mit Aufschnitt, den Inga vom Geburtstag ihrer Mutter mitgebracht hat, Heringen, Pellkartoffeln und Würstchen. Und obwohl es den ganzen Tag heiß war, stelle ich nach einem Bad in der Donau fest, daß der Rhein um diese Jahreszeit wesentlich wärmer ist.


Start zu einer langen Wanderfahrt

Nach dem üblichen Verpacken und Verladen des Gepäcks in die Boote am nächsten Morgen erreichen wir bei strahlender Sonne die Schleuse Ingolstadt, die zu unserer vollsten Zufriedenheit funktioniert. Auf gut strömendem Gewässer durchrudern wir Ingolstadt, werden dann aber bei Donaukilometer 2455, wie schon im Wanderführer angekündigt, von einem Patroullienboot der Bundeswehr gestoppt und wir müssen anlegen. Die Strömung ist derart stark, daß uns dazu nur eine Rampe übrigbleibt, die sehr glitschig ist.


Mittagessen mit Bewachung

Aber für uns geübte Wanderruderer ist auch das kein Problem: Wir nehmen unser Mittagessen mit ans Land und freuen uns über die durch die Hitze völlig aufgelösten Essenssachen. Den Schlamm kann man mit dem Strohhalm trinken und auch die Margarine eignet sich bestenfalls dazu das Brot hineinzutauchen (Fondue??). Währenddessen machen die Soldaten mit ihrem kleinen Boot kräftig Wellen, sodaß unsere Boote, Loreley und Rhein, unsanft auf das Ufer gedrückt werden. Ob das wohl der Sinn einer Bundeswehrübung ist? Plötzlich müssen wir unseren Essensplatz verlassen und schnell in die Boote springen, da die BW gerade ihre Pontonbrücke abgebaut hat. So werden die letzten Brotkrümel in den Mund gestopft und alle Lebensmittel in die "Riesenkübo" von Schoellers geworfen. Nach dem Passieren der Übungsstelle lassen wir uns ca. 7 Kilometer gemütlich treiben und erreichen einige Zeit später Kloster Weitenburg und den Donaudurchbruch.


Der Donaudurchbruch und Kloster Weitenburg

Ich sitze mit Andreas und Marc in der Loreley und wir fahren unter ständigem Rudern durch die Enge, in der uns natürlich, wie sollte auch anders bei diesem tollen Wetter sein, ein Ausflugsschiff entgegen kommt. Wir denken, daß wir es fast durch die Enge geschafft haben, als wir langsam aber sicher auf einen großen Felsen zutreiben. Die Strömung scheint hier unter dem Felsen durchzuschießen, wir kommen, obwohl wir kräftig rudern und gegensteuern der Wand immer näher! Ich gerate etwas in Panik, aber wir schaffen es dennoch glücklich an der Wand vorbeizukommen. Der Rhein hat nicht ganz soviel Glück: Direkt vor Kloster Weltenburg wir er von einem Blechkahn, der nicht so recht weiß, wo er hinfahren soll, seitlich gerammt. Doch außer einer abgebrochenen Dolle und einem verbogenen Auslegerendstück ist zum Glück nichts passiert, alle Ruderer und auch das Boot sind in Ordnung. Bei Kilometer 2008 erreichen wir den Ort Herrensaal, in dem wir auf dem Campingplatz übernachten wollen.


Campingplatz mit Aussicht

Doch der Campingplatz ist nirgends zu sehen. Nach einigem Fragen stellen wir fest, daß er ein ganzes Stück vom Ufer entfernt auf einem Berg liegt. Leider haben wir heute das ganze Gepäck an Bord. Nach zwei Stunden harter Arbeit haben wir die Boote mühevoll aus dem Wasser und die Klamotten auf den Campingplatz gebracht. Alle sind hundemüde, aber ein schöner warmer Abend und gute Duschen entschädigen für die Mühen. Nach dem Abendessen suchen wir verzweifelt eine Kneipe. Aber die einzige "Quelle" im Ort besitzt eine Frau, die vor ihrem Haus Getränke verkauft. Leider hat sie keine Coca-Cola. Schade, schade. Man merkt eben doch, daß wir in Bayern sind. Am nächsten Tag erreichen wir über eine Bootsschleuse, der ein nicht zu endender Schleusenkanal vorgelagert ist, gegen 14 Uhr Regensburg. Da sich niemand im Bootshaus auskennt, müssen wir warten, bist Christian Hammer kommt. Frank und ich gehen zum Bahnhof um mit dem Zug das Gespann nachzuholen. Der Rest der Mannschaft versucht unterdessen in Regensburg City die leeren Bonaqa-Kästen gegen Volle umzutauschen.


Bonaqakästen im Regensburger Dom

Aber selbst im Regensburger Dom gibt es kein Mineralwasser, sodaß dort Menschen mit Bonaqa-Kästen nicht erwünscht sind. Die Ruderer geraten hart an die Grenze des "katholischen Kirchengesetzes". Nach dem Abendessen "radeln" Inga und ich durch Schwärme von Mücken und Fliegen zur Schleuse Regensburg, um sie auf ihre Funktionsfähigkeit zu überprüfen. Leider stellen wir fest, daß ein Bagger in der Ausfahrt liegt und die Schleuse gesperrt ist. Aus diesem Grund packen wir das ganze Gepäck am nächsten Morgen in den Bus um es nicht mit umtragen zu müssen.


Schleusenwärter mit Sonnenstich

Um vielleicht doch geschleust zu werden rudern wir zur Großschiffahrtsschleuse, wo wir über das Telefon erfahren, daß wir nicht geschleust werden. So rudern wir dann doch wieder die zwei Kilometer zur Sportbootschleuse, um dort Umzutragen. Doch wir haben wieder einmal Glück: Zwei Angestellte des Wasser- und Schiffartsamtes überlegen gerade, ob sie die Schleuse wieder öffnen sollen. Inga fragt über das Schleusentelefon den Schleusenwärter. Dieser, er hat wohl einen Sonnenstich, meint, wir sollten jetzt doch in die große Schleuse kommen. Nach einigem hin und her funktioniert dann die kleine Schleuse und wir setzen unsere Fahrt durch die Brücken von Regensburg fort. Die Strömung an der so gefürchteten Steinernen Brücke ist für uns kein Problem, alleine der Donaustrudel bringt uns etwas aus der Richtung. Nachdem wir die Walhalla passiert haben, fahren wir langsam in den nächsten Stausee ein. Bäume stehen hier abgestorben im Wasser, alles sieht unnatürlich aus.


Bergaufrudern?

Die Strömung ist gleich null, die Häuser links und rechts der Donau scheinen immer weiter im Boden zu versinken. Die Schleuse Geisling besitzt statt einer Sportschiffahrts-Schleuse nur einen Umtrageplatz. Die Transportwagen sind zumindestens für den "Rhein" zu schmal, so daß wir einen Wagen unter den Bug und den anderen unter das Heck setzen. Da der Weg mehrere Biegungen hat sind wir heilfroh, als wir die beiden Boote an der Einsatzstelle haben. Dort machen wir erst einmal Mittag. Alle sind durch die große Hitze erschöpft, die Stimmung ist gereizt und es scheint ein Gewitter heraufzuziehen. Nachdem wir die Boote wieder im Wasser haben, beginnt ein recht schönes, noch nicht kanalisiertes, Stück Donau.


Mondlandschaft

Doch schon nach etwa 7 Kilometern verändert sich die Landschaft zusehends: Links und Rechts sehen wir statt Bäumen und Sträuchern große Bagger und Lkws, die sich lärmend durch den Kies wühlen; die Dämme auf beiden Seiten werden immer höher. Wir haben das Gefühl auf dem Mond zu sein: Die Donau quält sich hier so durch Kies und Steine, daß man als Steuermann manchmal keine Ahnung hat, wo der Fluß eigentlich weitergeht. Da das Wasser inzwischen wieder vollends steht, erreichen wir nur mit Mühe bei glühender Sonne über eine ca. 150 Meter breite Donau die Staustufe Straubing, die ihre volle Stauhöhe noch nicht erreicht hat. Daher funktioniert die Bootsrutsche nicht, und während die anderen auf die Schleusung warten, gehe ich zu Fuß in die Innenstadt, um mit dem Zug nach Regensburg zu fahren und das Gepäck nachzuholen.


Mit dem Hänger in Straubing-City

Auf der Rückfahrt mit dem Gespann kündet eine Umleitung die Sperrung der Donaubrücke in Straubing an. Ich folge der Umleitung und komme direkt in die Innenstadt. Dort muß ich den Hänger auf dem Marktplatz abhängen, um zu wenden. An einer Tankstelle und mehreren Kneipen frage ich mich nach dem Bootshaus durch, daß ich völlig entnervt gegen ca. 22 Uhr erreiche. Inga macht mir Nudeln mit Tomatensauce vom Vortag warm (hat sehr gut geschmeckt) und nach einem Bier fallen wir ins Bett.


Ist das Urlaub ??

So habe ich mir meinen Urlaub allerdings nicht vorgestellt. Ich bin stinksauer und habe die Nase voll. Um unsere Wasservorräte aufzufrischen, und um einmal einen Tag gemütlicher angehen zu lassen, laden wir die Loreley am nächsten Morgen auf den Hänger. Krischan und ich fahren heute gemütlich einkaufen und treffen die "Ruderer" gegen Mittag an einer Baggerstelle an der Donau. Die gekaufte Wassermelone schmeckt ausgezeichnet und nach einer ausgiebigen Pause fahren wir weiter und laden in Deggendorf, unserer heutigen Tagesetappe, schon das Gepäck aus, als die "Rheinmannschaft" das Bootshaus erreicht. Nachdem wir es uns in den quietschenden Betten gemütlich gemacht und gegessen haben, gehen wir in die Stadt. Nach langer Suche können wir uns endlich für ein Bistro entscheiden, Frank lädt uns heute Abend ein; wir lassen es uns schmecken. Auf dem Heimweg stoße ich mir meinen Zeh kräftig an einer Bürgersteigkante auf und humpele nur noch nach Hause.

Nach einem ausgiebigem Frühstück lassen wir die Boote wieder zu Wasser. Hinter Deggendorf ist die Donau weitgehend nicht kanalisiert, sodaß uns nach dem Einfluß der Isar eine hervorragende Strömung schnell nach Vilshofen treibt.


Sprechen die Österreicher Deutsch ?

Der dortige Chef des Bootshauses gibt uns einen Schnellkurs in Österreichisch, damit keinerlei Mißverständnisse durch die "Sprachbarrieren" entstünden. "Grüß Gott, Frau Schleusenwärterin" oder "Grüß Gott, Herr Amtmann" sind sozusagen überlebenswichtige Begriffe, die jeder Tourist beherrschen sollte. Die nächste Tagesetappe führt uns nach Passau, wo ich wiedereinmal vor der Schleuse aussteige, um das Gespann nachzuholen. Der Campingplatz liegt an der Ils und als ich später auch dort ankomme habe ich einige Ehrenrunden und etliche Kilometer verfahren, den Hänger irgendwo in einem Kuhdorf geparkt und bin glücklich dort angekommen zu sein. Während die anderen die Zelte aufbauen, fahren Andreas und ich mit dem Gespann nach Wesensufer, um es dort stehen zu lassen. Mit den Rädern wird aus der Rückfahrt nach Passau bei lauem Wetter eine tolle 34 Kilometer lange Radtour entlang der Donau. Nach dem Abendessen geht es in die Stadt zu unserem allabendlichen Bier.


Die Donau mit Strömung

Am nächsten Morgen stellen wir, nachdem alles wieder in den Booten verstaut ist, fest, daß die Donau hier wieder sehr reizvoll wird: Hohe Berge und eine -durch den hier einfließenden Inn- weiß gewordene Donau reizen endlich einmal wieder bei guter Strömung zum Rudern. An der Zollstation nach Österreich müssen wir anlegen, (Grüß Gott, Herr Zollbeamter) man fragt uns, ob wir unsere Pässe dabei haben; und wir können weiterfahren. An der Schleuse Jochenstein (Grüß Gott, Herr Jochenstein) müssen wir nur kurze Zeit warten und erreichen gegen 15 Uhr unser Endziel Wesenufer. Alle freuen sich auf den nächsten Tag: kein Rudern sondern eine Stadtbesichtigung ist angesagt.


Auf der 700 Kilometer langen Heimfahrt hat Andreas seine "Hängerpremiere" und er macht seine Sache wirklich gut, so daß wir gegen 18 Uhr das Bootshaus in Stammheim erreichen. Zum Säubern der Boote hat niemand mehr so richtig Lust, so daß wir uns am Mittwoch damit beschäftigen wollen. Eine lange Wanderfahrt, mit viel Streß für mich, aber auch mit schönen Tagen, ist zuende und wir sind alle froh, endlich einmal wieder im eigenen Bett schlafen zu dürfen.


Daniel Budszus

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