EuRega 2010
aus Messingdolle
Wie alles begann
Es werden Steuerleute für die EuRega gesucht!
So ging eines Morgens im Januar eine Mail in meinem Postfach ein.
EuRega, ja einmal gefahren bin ich sie schon, damals als Juniorinnen Vierer. Steuern? Rudern ist schöner, aber ok.
Nachdem ich zugesagt hatte und es im RTHC erzählt habe, da fanden sich plötzlich 5 Herren die auch fahren wollten. Also zusammengesucht und dann hieß es erstmal bangen, ob es noch einen Startplatz gibt.
Es gab ihn.
Der Start
Also ging es am 1.Mai los nach Neuwied, von wo bekanntermaßen die "Kurzstrecke" der EuRega startet. Für alle die es nicht wissen, die Kurzstrecke sind immerhin 45 Kilometer im Vergleich zur Langstrecke mit 100km also vielleicht wirklich kurz.
In Neuwied dann die übliche Stimmung vor einer Regatta auf dem Rhein, es wird gefachsimpelt was die beste Abdeckungsform ist, welche Abklebetechnik die einzig wahre ist, wohin man die Pumpe klebt, es wird gebohrt, gesägt, geschraubt. Ein Boot hat noch schnell alle Bolzen getauscht und vieles mehr....
Dann um 11:00 die Obleutebesprechnung, bei der EuRega sehr wichtig, hat man hier doch ein sehr strenges Regime, wann man wo wechseln muss, wie nah man an die Berufsschiffahrt darf usw. Sonst gibt es Zeitstrafen, die bei dem doch engen Feld manchmal über den Sieg entscheidend sind....
Dann gehts aufs Wasser, mein Mädelsvierer startete als das Mittelfeld der Langstrecke grade vorbeikam.
So konnte man die ganze Zeit Boote überholen, was für die Psyche doch ganz nett ist. Auch wenn die Ruderer in den anderen Booten natrülich schon 50km und mehr auf der Rolle gefahren sind.....
Unser Männervierer ist deutlich später gestartet als letzte in ihrem Feld und als letze im Gesamtfeld.
Unterwegs
Mein erster Gedanke, wenn die Mädels so weiterfahren, kommen wir nie an. Also lautstarke Unterstützung durch mich nötig. Und es wirkte, langsam aber sicher wurden wir ein Vierer, die Technik war ok. Die Meinungen unterwegs: Mit der Technik kommen die nie an! bis: Weiter so, mit der Technik kommt ihr ganz nach vorne!
Was denn nun, egal, was zählt ist hier und jetzt zusammen zu fahren.
Nach der ersten Welle wussten sie dann auch, dass wir die Pumpe mehr als einmal brauchen werden.
Das einzige Ruder Halt gibt es nur zum trinken, ansonsten höchstens mal halbe Kraft. Und immer schön am Rand der Schiffahrtsrinne!
Das Andernacher-Loch, mein Graus, war richtig zahm, diesmal. Dafür der Rest der Strecke diesmal steuertechnisch oft anspruchsvoll. Und immer schön anfeuern. Da taten die drei Personenzüge mal richtig gut, wenn man nichts sagen konnte vor Lärm.
Die Jungs waren weit hinter uns.
Verfolgt durch die Regattaleitung mussten sie erstmal 20km bis zum nächsten Boot kämpfen, dann waren die Verfolger abgeschüttelt.
10km vor dem Ziel mussten sie dann noch den Steuermann tauschen. Muskelkrämpfe des Schlagmanns machten für ihn ein weiteres Rudern unmöglich....
Nach dem Start ist vor dem Ziel
Getreu diesem Motto erreichten wir die erste Bonner Brücke, Heimatgewässer also. Den Stopp im Biergarten in bad Honnef oder bei Nonnenwerth haben wir uns verkniffen. Es läuft, die Mannschaft ist im Rhythmus. Nun kommt ein anspruschsvoller Endspurt, hier verläuft die Regattastrecke in der engen Schiffahrtsrinne von Bonn.
Doch wir haben Glück, es kommt nix hoch zumindest im Moment.
Also gebt nochmal alles Mädels, die Holländer kriegen wir noch. In einem Fotofinish passieren wir, für den Kommentator unbemerkt die Ziellinie. Und jetzt ist alles vorbei, Kommandos geben kann ich nicht mehr, die Stimme ist weg. Aber es hat Spaß gemacht. Ein Blick auf die Uhr sagt, die Zeit war besser als erwartet, mal sehen was das restliche Feld so fährt.
Jetzt erstmal das Boot raus und den steilen Stegzugang hochtragen.
Oben angekommen, das Boot versorgt, wieder auf die Uferpromenade.
Wo bleibt die Konkurrenz? Sind sie mehr als 20 min nach uns gestartet? Sonst sind wir auf jedenfall auf dem Treppchen.
Und wo bleiben die Jungs?
Nebenbei kann man fasziniert beobachten was so ein Ruderboot alles aushält. Das da nicht jedes dritte Boot vorm Steg absäuft ist ein Wunder.
Wo bleiben die Jungs?
Die RTHCler die das Boot heute noch nach Köln rudern wollen warten auch schon angespannt.
Könnten sie das sein? Nein, flasche Blattfarbe....
Dann da in der Bachmitte sind sie. Von einem wendenden Ausflugskahn etwas abgedrängt abrbeiten sie sich vorran.
Mit dem Wissen, wir müssen das Boot nicht hochtragen.
Am Steg angelegt dann fliegender Wechsel, schnell den Steg freimachen.
Siegerehrung
Erst jetzt bekomme ich mit, wer noch alles vom RTHC gestartet ist.
Und meine Mädels haben den Sieg errungen, drei Minuten vor dem nächsten Boot in ihrer Klasse. Das ist viel.
Und unsere Jungs, leider haben sie den Sprung auf's Treppchen nicht geschafft.
Egal, Spaß gemacht hat es allemal. Und in Bonn wird besseres Bier gereicht als in Düsseldorf.
Kölsch schmeckt einfach besser, als wenn es Alt wird.
Nur, wer hält jetzt den Siegesstein? Auf Dauer ist das gute Stück doch was schwer, da wären einfache Medaillen doch angenehmer. Aber ok so ein Stein ist eben kultiger und es gibt ihn nur für die Sieger!
[Bilder|http://www.messingdolle.de/gallery/v/RTHC/2010/EuRega/] B.O.
