Kinderwanderfahrt Grouw 2004
aus Messingdolle
Unsere Fahrt begann am Montag, den 30. August 2004 am Bootshaus unseres Clubs. Sechs Kinder, drei jugendliche Begleiter sowie unser Trainer Stefan Z., seines Zeichens Chef d'Organisation, starteten voller Erwartung nach Grouw (NL), wo wir nach 3,5 5tunden Fahrzeit in der Jugendherberge ankamen. Da wir am 1. Tag nicht mehr rudern "mussten", hatten wir ausreichend Zeit, uns häuslich einzurichten.
Der "gemütliche" Beginn unserer Fahrt war im erholungsmäßigen Sinn ganz nach unserem Geschmack und wir wären wahrscheinlich topfit zu unseren ersten sportlichen Bemühungen am 2. Tage angetreten, hätte sich Antonia oder genauer gesagt ihr Schnupfen nicht dazu entschlossen, mit nächtlichen, jedem kanadischen Waldarbeiter zu Ruhme gereichenden, sägewerksähnlichen Attacken unsere Ruhe zu stören oder, besser gesagt, jeglichen Anflug von Schlaf zu verhindern. Um einige <math>m^3</math> - Schnittholz reicher, eine gewisse Abgeschlafftheit nicht leugnen könnend, traten wir trotzdem zu unserer 1. Ausfahrt am Morgen an.
Der Sonnenschein war hierbei Motivationshilfe genug, leider schien Petrus unsere Mattigkeit beobachtet zu haben und so entschied er sich, zeitgleich mit dem Wassern der Boote, das Wetter auf Regen umzustellen. Zwar verhinderte dies ein zu frühes Einschlafen im Boot, was angesichts der Dauerhaftigkeit (es regnete den ganzen Tag lang) jedoch zu viel des Guten war. Unerschrocken machten wir mittags ein Picknick im Grünen und wollten im Anschluss einen großen See überqueren. Petrus schien wiederum sehr wachsam gewesen zu sein und wahrgenommen zu haben, dass wir durch Pause und Picknick, trotz der beschriebenen schlechten Grundvoraussetzungen, gestärkt an die Überquerung gingen. Um zu verhindern, dass dieses Unterfangen zu einfach geriet, schickte er uns statt des vormittäglichen Schiebewinds diesmal Rückenwind.
Der Mut, diese Herausforderung trotzdem anzunehmen kostete u.a. Johanna eine blutende Hand. Als abends Beate, bis jetzt beruflich verhindert, zu uns stieß, waren diese Dinge jedoch wieder vergessen. Wir hatten einen insgesamt schönen Auftakt unserer Fahrt gehabt. Nach dem Frühstück am Mittwoch ruderten alle, mit Ausnahme von Stefan Z., in Richtung Sneek. Stefan Z. fuhr mit dem Bus nach, um uns auf unserem Weg zu einem weiteren Picknick zu treffen, bevor wir in neuer Bootsverteilung die Fahrt nach Sneek wieder aufnahmen. Der offizielle Grund dafür, dass Stefan sich mit dem Bus statt in einem unserer Boote fortbewegte, war in unserer Rückholung in die Jugendherberge zu suchen.
Ein ewiges Rätsel wird es bleiben ob die von Stefan Z. ausgewählte Tour, die eine solche Rückholaktion notwendig machte, nicht mit einer gewissen Rudermüdigkeit zu erklären ist. Aber diese direkt in Zusammenhang mit hoher körperlicher Anstrengung in den Booten geführte Debatte erscheint angesichts der Realitäten nicht nur abwegig, sondern gerade zu unverfroren, und so wurden diese quasi direkt ad acta gelegt und weitere Debatten im Keime erstickt. Trotzdem eine interessante Vorstellung; man müsste halt Trainer sein. In Sneek angekommen, überließen wir unsere Boote ihrem Schicksal im Hafen und erkundeten die Stadt. Nach unserer Rückkehr und dem anschließenden Abendessen spielten wir Fußball und Billard.
Am Donnerstagmorgen sind wir mit den Autos zu unseren Booten nach Sneek zurückgekehrt. Ob Stefan Z. unsere gestrige Debatte zum Thema "Trainer" per Lauschangriff mitbekommen hatte, war im Nachhinein nicht mehr zu rekonstruieren, jedoch bestieg er mit uns die Boote, während Beate und Steffi die "Fahrjobs" erledigten. Ob es Zufall, unsere hohe Motivation oder díe Verstärkung durch unseren Trainer oder von allem etwas war, wir schafften es vor unseren autofahrenden Begleiterinnen am vereinbarten Treffpunkt zu sein. Zu dumm, dass die beiden - wahrscheinlich um ihre Unentbehrlichkeit nochmals zu unterstreichen - im Besitz unseres Proviants waren, was uns durch die erruderte Wartezeit "bauchschmerzlich" bewusst wurde.
Unsere Rückkehr nach dem Picknick machte uns dann klar, warum es sprichwörtlich heißt, "Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erleben"; oder wie anders ist es erklärbar, dass man in Holland mit Booten über Autobahnen rudern kann? Diese Perspektive war so aufregend, dass wir uns spontan entschieden, aus den Booten auszusteigen um den Blick auf die Autobahn hinunter genießen zu können. Da die Boote jedoch nicht so nah an den Steg fahren konnten, hätten einige von uns ihre Kühnheit fasst mit ihrer Trockenheit bezahlt. glücklicherweise blieb uns dies jedoch erspart.
Nach dem Frühstück am Freitag haben wir unsere Siebensachen gepackt und verstaut. Anschließend sind wir noch eine kleine Tour gerudert. Die Sache mit der Autobahn war derart faszinierend, dass wir sie an anderer Stelle wiederholten. Nach dem Mittagessen haben wir unser Ruderzeug verpackt und haben die Heimreise angetreten, nicht ohne dabei die beiden Brücken zu unterqueren, die wir zuvor "überrudert" hatten. Die Rückkehr, verbunden mit den notwendigen Versorgungen der Boote, verlief andächtig und geordnet. Die Abwicklungsgeschwindigkeit dieser Verrichtungen war dabei umgekehrt proportional zum Spaß den uns die Fahrt gemacht hatte und so war es nicht verwunderlich, dass die Begeisterung und die Stimmung bei diesen Verrichtungen ähnlich groß war, als wenn man die Meldung erhalten hätte, Stephan Volkert sei im Endlauf der olympischen Spiele beim Start aus dem Boot gefallen.
Die ganze Fahrt betrachtet, haben wir eine Menge Spaß gehabt, eine tolle Organisation und ein hohes Engagement von Stefan Z. sowie unseren Begleitern Beate, Steffi und Sebastian erlebt und hoffen auch beim nächsten Mal wieder dabei sein zu können, wenn wir ein neues Kapitel in dem Buch "Drückt er sich vorm Rudern oder muss er uns wirklich unbedingt mit dem Bus abholen" schreiben.
