Maas 2006

aus Messingdolle

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Inhaltsverzeichnis

Hintergrundarbeit

Eine Wanderfahrt mal woanders hin? Das war unsere Idee, als wir eigentlich schon vor zwei Jahren überlegten, mal an die Maas nach Frankreich/Belgien zu fahren.

Material und konstruktive sowie destruktive Kommentare bekamen wir von vielen Leuten, so dass die Strecke Sedan (Frankreich) bis Namur (Belgien) schnell stand.

Anfang dieses Jahres ging es dann in die entscheidende Phase. Wie plant man eine Tour nur mit der Karte und alten Fahrtenberichten? Vereine an der Strecke fanden sich dank des Internets eigentlich ganz gut. Aber wie erreicht man die? Franzosen leben ja eine etwas andere Lebensauffassung. Briefe, Faxe und E-mails schienen in einem großen realen oder virtuellen Aktenvernichter unterzugehen. Schließlich hatte Steffi es satt und rief in Charleville-Mézières an. Dort wurde ihr dann ziemlich direkt gesagt: von uns aus ja, aber das Gebäude gehört der Stadt. Also Telefonterror im Rathaus. Mutig geworden durch den Erfolg in Charleville zweiter Angriff auf Givet. Hier aber eine Absage, weil der Verein zu klein sei. Kurzer Kriegsrat. Ok, wir probieren es am Endpunkt in Namur. Dort bekamen wir quasi postwendend eine Antwort. Kein Problem, und es gibt mehrere deutsche Vereine, die hier regelmäßig mal hinkommen.

Also Unterkunft geklärt. Aber das war leider nicht alles. Für Frankreich muss man eine Mautplakette kaufen, damit man den Fluss befahren darf und die Schleusen benutzen kann. Ausserdem muss man sich vorher anmelden und sagen, mit was für einem Boot man wann fahren möchte. Wenn alles gut geht, bekommt man binnen zwei Wochen eine "Autorisation spéciale de naviguer avec des bateaux à rames" (was so viel wie Erlaubnis heißt :-) )

Wann geht's denn los?

Anreise

Ja, Abfahrt war dann am Pfingstmontag, nachdem fünf Leute und das Gepäck von zehn Mann in Bus und Hänger verstaut und die Mosel auf den Anhänger gezurrt war.

Unterwegs mussten wir feststellen, daß Autobahnen in Belgien etwas abenteuerlicher gebaut sind (wer hat schon ein Stop-Schild an 'ner Autobahnauffahrt gesehen?) und daß die Parkplätze an der Autobahn mindestens 30 Mülltonnen haben. Ausserdem verhalf uns der Routenplaner eines bekannten deutschen Automobilclubs zu einer netten Stadttour durch Belgien, was mit dem Hänger nicht unbedingt für alle im Bus zu einem Vergnügen wurde.

Schließlich kamen wir relativ verschwitzt bei strahlendem Sonnenschein am Wassersportzentrum von Charleville an und wurden dort freundlich in die örtlichen Gegebenheiten eingeführt. Während unser "chef de cuisine" schon mal begann, die transportable Küche aufzubauen, machten wir uns zu dritt auf nach Sedan, um die Mosel dort zur Nachtruhe zu betten (und dem Landdienst des nächsten Tages das Gegurke mit dem Hänger zu ersparen). Schnell war klar, dass der Ruderverein schon längst seine Tore geschlossen hatte, aber der örtliche Campingplatz nahm unsere Mosel freudig auf. Für Bootablegen gab es gleich 'ne Runde Plombenzieher.

Der erste Tag

Am nächsten Tag lernten wir dann "Le chef c'est moi!" höchstpersönlich kennen, fuhren dann aber fix zu unserem Bötchen in Sedan. Nachdem die Mosel dann aufgeriggert und zu Wasser gelassen war, konnte es dann endlich mit unserer ersten Tour auf französischem Hoheitsgebiet losgehen. Halt! Noch nicht ganz. Wie sagen wir eigentlich dem Schleusenwärter Bescheid, dass wir jetzt losfahren wollen? Die Frage beantwortete sich dann sofort von alleine, denn ein kleiner, weißer Transporter mit der Aufschrift "vnf" stand auf einmal auf dem Campingplatz, und der Fahrer wollte wissen, wann wir denn losfahren wollen. - Wie sich schnell herausstellte: unser "accompagnateur", der persönliche Schleusenwärter. foto:11477 Nachdem wir dann noch geklärt hatten, in welche Richtung man so fahren muss, ging es endlich los, wobei der Transportdienst vom Vortag bei der Diskussion eindeutig im Vorteil war. Schließlich hatten wir uns da ja schon umgesehen. Nach wenigen hundert Metern kamen wir an unsere erste Schleuse. In der Zeit, die wir auf den Schleusenwärter warten durften, kamen wir zu dem Schluss, es erst einmal auf die französische Art zu probieren und die Schwimmwesten nicht sofort anzuziehen, sondern es drauf ankommen zu lassen (mal sehen, ob er was sagt). Er sagte nichts, und damit war die Frage, ob man denn nun nur mit angezogenen Rettungswesten geschleust würde oder nicht, endlich geklärt.

Als der Schleusenwärter dann endlich angebraust kam - vom Campingplatz aus waren es ca 800m bis zur Schleuse - wunderten wir uns ja schon etwas, wo er so lange geblieben war. Hinterher teilte Arne uns dann mit, dass er ihm mit Händen und Füßen erklärt hatte, dass wir flussabwärts und nicht -aufwärts fahren würden, denn unser Wärter hatte sich zunächst zur falschen Schleuse begeben.

Ab der zweiten Schleuse hatten wir aber freie Fahrt. Aber schließlich hatten wir ja auch Maut bezahlt, und für irgend etwas muss das ja gut sein. Leider gewann immer der Schleusenwärter das Rennen zur nächsten Schleuse.

Mittagspause machten wir dann bei einem kleinen Ruderverein in Flize, der außer einem Steg nur aus einer Blechhalle bestand. Und abgesehen von einer kleinen Schwanenfamilie fühlte sich auch keiner durch unsere Anwesenheit gestört. Auch unser: jeder darf mal hannbitzern gehen, schien nur ein älteres Ehepaar zu verwundern. foto:11733 Bei der Pause wurde dann auch endlich die im morgendlichen Stress vergessene, aber schon Wochen vorher erworbene Plakette fachgerecht und wasserdicht auf Steuerbord am Bug 'montiert'.

Nach der Pause bestanden wir dann unser einziges Handicap-Rennen: ein Ruderboot ist schneller als ein französisches Auto im Rückwärtsgang....

In Charleville angekommen, durften wir dann die dortigen Trainigsmannschaften bewundern und mussten feststellen, dass der Rettungshund gleich vom Trainer auf dem Motorboot mitgeführt wird.foto:11742 Den Rest vom Tag haben wir uns in Charleville herumgetrieben und ein bisschen Sight-Seeing betrieben.

40km und 7 Schleusen

Aufauf, früh übt sich und so weiter. Am zweiten Rudertag mussten wir das Boot ja quasi nur vor unseren Lumas ins Wasser lassen. Das kleine Problem, wie man Arnes laufende Nase versorgt, wurde von den männlichen Teilnehmern souverän gelöst, während sich das einzige heute rudernde Mädel noch einmal umziehen musste. foto:11514 Und dann begann das Kapitel 'wir üben die Wende' für diesen Tag. Den Abstecher zur ersten Schleuse erwischten wir noch gerade so ohne Wende. Und da war er auch gleich wieder: Unser persönlicher Schleusenwärter. Aber leider nur für diese Schleuse, denn danach hatten wir seinen Zuständigkeitsbereich verlassen und näherten uns mit großem Tempo dem nächsten Zuständigkeitsbereich. Schließlich lagen auch nur noch ca 38km und 6 Schleusen bis zum Etappenziel vor uns.

Vereinzelte Inseln mit versteckten Schildern, auf welcher Seite man denn nun vorbeifahren sollte, führten unterwegs zu kleineren Zwangspausen und endeten nicht selten mit einer Wende.

Die Landschaft wurde zunehmend bergiger und die Dörfer in den Flussschleifen zeigten alle ihren ganz eigenen Flair. Die Sonne strahlte mit voller Kraft vom Himmel und unsere Wasservorräte verringerten sic schnell. Mittagspause machten wir in Monthermé, einem kleinen Dorf auf halber Strecke, wo wir dann auch erstmal unseren Kocher auspackten und die Polentareste vom ersten Abend schön gebraten vertilgten. Nebenbei wurde noch die Grillage für den Abend vorbereitet. foto:11532

Die ortsansässigen Franzosen begegneten dieser Aktion mit ihrer stoischen Ruhe und Gelassenheit und wünschten uns einen guten Appetit. Der Stadtausflug wurde jedoch aufgrund der doch noch etwas längeren Reststrecke und dem Wissen, dass unser Schleusenwärter wohl schon längst irgendwo auf uns warten würde, auf 20min begrenzt.

Gestärkt und mit gefüllten Wasserflaschen fuhren wir dann wieder weiter.

Und dann lagen wir zum ersten Mal richtig lange vor einer einsamen, geschlossenen Schleuse. Also mal aussteigen und gucken. Die Telefontechnik erschloss sich dem ausgestiegenen Mannschaftsmitglied zwar nicht, dafür wusste aber der Bewohner des ehemaligen Schleusenwärterhauses zu erzählen, dass wir von unserem Schleusenwärter gesucht würden. Ein kurzer Anruf und die erfreuliche Aussage: Er kommt sofort zurück! Danach erreichten wir wieder alle Schleusen in schleusbarem Zustand: hochgeschleust, geöffnete Tore und grünes Licht. Ein Service, den man auch in Deutschland mal einführen könnte.

Wir fuhren weiter an einer wunderbaren Landschaft vorbei und ernteten mal wieder interessierte Blicke, denn den Wanderruderer an sich kennt man in Frankreich nicht so wirklich. Vielleicht schreckt der viele Papierkram doch auch die eigenen Landsleute etwas ab. Applaus bekamen wir dann noch von einer ca 30-köpfigen holländischen Reisegruppe, der gerade am Ufer etwas zum Maastal (oder doch übers Stilrudern?) erzählt wurde. foto:11763 Schließlich kamen wir in Revin an und begaben uns auf die Suche nach einer brauchbaren Stelle, um die Mosel für eine Nacht dort zu lassen. Bereits in der Schleuse von Revin wurden wir fündig; groß wurde uns dort der örtliche Hafen angekündigt. Im (Sportboot-)Hafen, oder besser gesagt am befestigten Ufer des Hafens, angekommen, mussten wir dann nur noch warten, bis die Hafenmeisterin ihren Dienst antrat, um zu fragen, was denn eine Nacht für ein Ruderboot kosten würde. Zeit genug, den Landdienst mit dem Bus an den Campingplatz zu lotsen. Kurz wurde es dann etwas komplizierter, denn eine genaue Quadratmeterangabe konnten wir zu unserem Boot nu doch nicht machen. Aber der Kommentar, dass wir das Boot rausnehmen und in der Wiese ablegen würden, brachte uns ein Lächeln ein: 'Dann kostet es gar nichts!'

Also ab quer durch die Ardennen nach Hause bzw. Charleville!

Halt! Stopp! Noch eben etwas Frischzeug für's Abendessen einholen; schließlich wollten wir abends das Chili für für den nächsten Tag machen, damit es noch gut durchziehen kann!

Am Bootshaus angekommen, stellte sich dann heraus: Chili ohne Gehacktes kann ja gar nix! Also gleich nochmal los, bevor die Läden schließen. Bei den ersten drei Versuchen hatten wir auch prompt pech: leider ausverkauft bzw. geschlossen! Aber war da nicht irgendwo ein großer Carrefour in der Nähe der Autobahn? *grübel* Der hätte sicher noch offen. Wenige Minuten und einige Kilometer später: Der Parkplatz vom Carrefour ist noch voller Autos - Glück gehabt. Nur wie kommt man jetzt mit dem VW-Bus auf den Parkplatz vom Carrefour?? Tieferlegen, um unter den 170cm durchzufahren? Statt es mit viel Anlauf und unvermeidlicher Geräuschentwicklung zu versuchen, haben wir uns dann kurzerhand für die Lieferantenzufahrt entschieden.

Am nächsten Morgen hieß es dann Abschied nehmen vom Ruderverein in Charleville. Eigentlich schade, war ja doch richtig schön hier, auch wenn das Wasser nur einheitswarm aus der Leitung kommt und kalt bleibt wenn man die Sicherung (vom Licht) rausdrückt und wartet.... Eben die französische Art, genauso, wie man auch das Licht auf diese Art ausmacht...

Bis zur Grenze (oder kurz davor?)

In Revin standen wir dann gleich vor unserem neuen Problem: Wie bekommt man die Ampel vor dem Tunnel auf grün?? Vielleicht abwarten ?

Ja, da ist ja eine Kamera! Aber die ist so hoch angebracht, dass man 'ne Yacht (oder Leiter) bräuchte, um gesehen zu werden... *kopfkratz*

Ja, dann nehmen wir halt ein Skull und winken mal ein bisschen damit vor der Kamera herum! Der Deutsche, der gerade aus dem Tunnel kam, als wir uns vorsichtig in Richtung Tunneleinfahrt vortasten wollten, konnte uns das aber auch nicht erklären.

Dann war die Ampel kurz aus und wir ganz schnell im Tunnel drin. Ganz schön dunkel, wenn man die mitgenommene Taschenlampe nicht anschaltet) und fahren nach Gehör is' auch nicht so dolle. Hätten die den Tunnel damals nicht 10 cm breiter machen können?

Aahh, da wirds hell! Wir haben es geschafft, und was kommt da? Ah ja, 'ne Schleuse. Wer hätte das gedacht... Mitlerweile war auch der Landdienst an der Schleuse eingetroffen, nachdem der Hänger irgenwo am Ortsausgang fachgerecht auf dem Seitenstreifen abgestellt worden war. Das Boot war zwar schon durch den Tunnel hindurch, aber man kann so einen Tunnel ja auch gut mal ohne Boot fotografieren. Ab da haben uns die französischen Schleusenwärter dann leider enttäuscht, denn man hatte uns für diesen Tag niemanden mehr zugeteilt, obwohl wir doch vorschriftsmäßig angemeldet waren. Jedoch konnte der Landdienst an der nächsten Schleuse mit zwei Flaschen Bier kurzfristig Abhilfe schaffen: 'Ja, dann macht man das halt an seinem freien Tag, aber erst muss ich noch die Autorisation sehen.' Aber wenn man eine Genehmigung braucht, reicht es, wie das kleine Nachtgespenst mit seinem Schlüssel, mit ihr (oder irgendeinem anderen Blatt Papier) zu winken, und die Schleuse geht auf :-).

Und ab dafür. foto:11781

Jetzt war es Aufgabe des Landdienstes, eine geeignete Anlegestelle für die Mittagspause zu suchen. Also erstmal weiter am Fluß lang, den Hänger unterwegs auf einem großen Parkplatz abgestellt und rein in den Ort. An der einzigen Brücke im Ort erscheint es günstig zum Anlegen. Auch wären es bis hier etwas mehr als die Hälfte der für heute geplanten km. Und Schatten gibt es unter der Brücke auch! Gut, dann kann man ja jetzt mal versuchen, die vorletzte Schleuse anzufahren, um die Mannschaft abzupassen. Auf der rechten Maasseite wird schnell klar, daß das auf legalem Weg und ohne Kompass unmöglich ist; die eingezeichneten weissen Straßen auf der Karte sind nicht einmal Feldwege... Auf der linken Maasseite gelingt das Unterfangen. Von dort sind es 'nur' noch 4 - 5km und eine Schleuse bis zur Mittagspause. Aber an dieser letzten Schleuse vor der Mittagspause isses dann doch passiert: Schleuse zu und weit und breit kein Schleusenwärter zu sehen...

Wobei... Da schleust ja grad ein anderes Boot hoch! Also fahren wir dann mal in die Schleuse und versuchen selbst, manuell zu schleusen. Technik, die begeistert. Nach wenigen Minunten müssen wir einsehen, dass sich die automatische Schleuse nicht an der Nase herumführen lässt: Hat man sich nicht per Radar gemeldet, wird auch nicht geschleust. Da könnt' ja jeder kommen...

Also telefonieren, telefonieren, telefonieren, telefonieren...

Der Landdienst organisiert spontan einige km flußabwärts ein Motorboot (zufällig Deutsche mit Radar), was versucht, die Schleuse herunterzuschleusen, aber auch das funktioniert nicht, da sich die Schleuse mittlerweile 'defekt' meldet.

Die Zeit vergeht und die Sonne brennt.

Und der Landdienst wartet mit dem VW-Bus unter der Brücke, den Biertisch daneben bereits aufgebaut, beäugt von einer Gruppe Feuerwehrleute, die gerade im Motorbootfahren ausgebildet werden.

Also nochmal die Telefonnummer anrufen, die an der Schleuse aushängt:'.. Ja wir sind in (!) der Schleuse!!!..' Daraufhin gab's aber nicht die schon erwartete/befürchtete Standpauke, sondern ein eher amüsiertes: 'Der Schleusenwärter kommt gleich.'

Nach weiteren 10 min ist ein leicht verwunderter Schleusenwärter da und schleust uns endlich. Noch drei Kilometer bis zur Mittagspause. Naja, vielleicht sollte man besser sagen Kaffeeklatsch. (Um 16:00 Uhr vielleicht treffender.)

Allgemeiner Konsens: Keine Lust (und Zeit) mehr, heute bis zur Grenze zu rudern. Kann man nicht die VNF anrufen und fragen, ob man hier in Vireux unterbrechen und am nächsten Tag die restliche Strecke bis zur belgischen Grenze zurücklegen könnte? Wieder wurden wir überrascht: 'Ja, geht, kein Problem'. Also Boot raus, auf den Hänger legen und Hänger mitten im Dorf stehen lassen. Die Bierbänke in den Bus und ab nach Namur, unserem neuen Quartier.

Dort wurden wir dann super herzlich begrüßt, auch wenn man dort dachte: Ruderer die von Sedan hierher rudern, das müssen große Schränke sein. Die Gastgeschenk-T-Shirts wurden daher in XXL gewählt :-) Arne wurde dann gleich für das Kommunikationspatent auf französisch geschult: Coupe du monde de foot, ja und wenn man gucken will, dann heißt das: ......

Sehr geschickt auch die Frage: Wann spielt denn Belgien?

Diesen Abend sind eigentlich alle nur absolut geschafft auf ihre Lumas gefallen.

Nun aber wirklich ab nach Belgien!

Am nächsten Morgen dann 'wow, sieht ja echt super aus, wenn vor der verglasten Front ein riesiges Schiff vorbeifährt. Toll, so muss das Wohnzimmer mal gelegen sein!'

Und wieder mit dem Bus zum Boot, schließlich wird es nicht kühler mit steigender Sonne. Es folgten die letzten Schleusen in Frankreich, aber - vielleicht war unsere Erwartungshaltung mitlerweile zu hoch - irgendwie ging das auch schon mal schneller...

Während der Landdienst noch schnell mit dem Hänger die örtliche Tankstelle blockierte und Supermärkte nach Parkplatzgröße auswählte (man braucht sechs Boxen, um ein Gespann quer zu parken), schob sich die Mosel weiter gen Belgien.

Kurz vor Belgien passierten wir dann den zweiten deutlich längeren Tunnel. Mittendrin war es jedoch so finster, dass wir gar nicht mehr sehen konnten, ob wir geradeaus oder Richtung Seitenwand fahren. Aber fühlen konnten wir das mit unseren Skulls. Am Ende verwendeten wir wieder unsere bewährte Schleusenausfahrtechnik: Auf Schlag mit Steuerboard rudern und gleichzeitig mit Backboard anpaddeln und dabei ggf. im Bug mit dem Piddelhaken korrigieren. Schön kühl war es aber in dem Tunnel!

An der ersten belgischen Schleuse, welche ca. 10mal so groß wie die französischen sind, dann die große Frage vom Landdienst:'Hab ich sie jetzt verpasst?'

Aber ein kurzer Besuch in der technisierten Schaltzentrale der Schleuse kann Abhilfe schaffen. Das Tagesschleusprotokoll sagt: Bisher kein Ruderboot geschleust!

Kurzer Anruf in Frankreich. 'Ja, die sind gerade in der letzten Schleuse'. Wunderbar.. also hinsetzen und warten, schließlich muss man hier in Belgien der Schleusengeschwindigkeit ein bisschen mit gutem Kölsch nachhelfen... foto:11787 Als die Mosel dann gemächlich mit dem Wasser absinkt, ein kurzes Feedback der Mannschaft: Ja eigentlich will man ja nicht mehr weiter; Hitze, Sonne, Etappenlänge - das schlaucht!

Bei der Mittagspause in Hastière dann der Beschluss: wir canceln die heutige Etappe hier, werfen das Boot auf den Hänger und fahren das Boot so nach Anhée, alles Andere macht bei der Hitze keinen Sinn.

Gesagt, getan, in Anhée dann die große Suche: einen Campingplatz sollte es hier laut alten Fahrtenberichten geben. Ah, hier durch das Gässchen! Einen der vielen Stege ausgesucht und mal jemanden fragen, ob man das Boot wohl ablegen kann. Und was bekommt man als Antwort auf die französische Nachfrage?? "Können sie deutsch sprechen?" Wieder typisch. Kaum ist man auf einem Campingplatz, trifft man nur noch Holländer....

Da waren's nur noch drei

Der letzte Rudertag. Alle sehen etwas zerknittert aus, aber wer macht heute Landdienst? Stille! Stille? Nein, da kommen zwei dünne Stimmchen: Eigentlich wär' es ja ganz nett, heute nicht mehr rudern zu müssen, aber nur, wenn sonst keiner will!

Die Moral von der Geschicht': machen halt beide Landdienst und wir fahr'n unterbesetzt!

Der restliche Tag wurde dann wieder dazu genutzt, die Stadt anzugucken, das Boot zu waschen, zu verladen und den Bus einzuräumen. Schließlich wollen wir morgen los, bevor die 90 Ruderer aus Namur über den Hof wuseln und in mehreren Schichten auf's Wasser gehen...


In Leverkusen angekommen, ist die Stimmung eindeutig: "Tolle Fahrt, muss man nochmal (ganz) fahren, super Wetter, vielleicht zu heiß und ein Bett wär jetzt nett!"

Was wir sonst noch so gelernt haben

  • Es gibt Dinge, die erfährt man besser erst nach dem Essen
  • der Routenplaner ermöglicht auch Gespannen, etwas von Belgien zu sehen
  • Kreisverkehre eignen sich wunderbar, um in der Karte nachzuschauen, die hintere Sitzreihe völlig zu irritieren, gewisse Übelkeitsbekundungen zu erhalten
  • Belgien spielt nicht bei der Weltmeisterschaft mit
  • Franzosen lassen sich nicht so einfach aus der Ruhe bringen
  • man sollte nicht in Schleusen einfahren, wenn die Tore offen, der Wärter aber nicht da ist
  • es gibt Hunde, die fahren gerne Motorboot
  • Schwimmwesten müssen nur mitgeführt werden (und dienen als Sonnenschutz)
  • mit Skulls kann man sich vor Kameras bemerkbar machen
  • belgische Schleusenwärter schleusen auch Ruderboote


Stichworte die man ggfs. noch aufgreifen kann: - Arne's Polenta Grillaktion - 2. Schiffahrtstunnel und wie man durchkommt

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